Die Gerlinger Kropfschella

Die Gerlinger Kropfschella blickt auf eine sehr traditionsreiche Geschichte zurück

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In Gerlingen gab es früher sehr jodarmes Wasser, deshalb litt die Bevölkerung unter einer überdurchschnittlich starken Kropfbildung. So entstand für die Gerlinger der Über-oder O´name Kropfschella. Daher leitet sich der Name dieser Brauchtumsgruppe ab.

Nachzulesen ist dieses in einer Beschreibung des Oberamtes Leonberg aus dem Jahre 1852.“Die Krätze wird nicht zu häufig und die Lustseuche (Syphilis) selten beobachtet. Bei der ärmeren Klasse der Einwohner, welche zuweilen in enge, feuchte Wohnungen zusammengedrängt ist und bei Mangel hinreichend gesunder Nahrung und schlechter Bekleidung im Schmutze lebt, sind ferophulöse Uebel nicht ganz selten zu treffen, doch kommen die ausgeprägteren und schlimmen Folgen derselben nur wenig vor.
Kröpfe sind sehr häufig, besonders zeichnet sich in dieser Beziehung Gerlingen aus; die englische Krankheit (Rachitis) kommt selten vor.“

Neben den Neckereien und Übernamen (O’name) auf einzelne Personen, von denen bei uns in Gerlingen reichlich Gebrauch gemacht wird, stehen solche, die sich auf die Siedlungsgemeinschaften beziehen, die überall bekannten Ortsnecknamen. Für uns Gerlinger ist die Bezeichnung Kropfschelle so unausrottbar volkstümlich, daß sie schon in den humorvollen Wandmalereien der Bierzelte auf dem Cannstatter Volksfest erscheint. Es wird behauptet, die Gerlinger hätten deshalb Kröpfe, weil sie alles in sich ‚hineindrucken‘. Man begegnet allerdings heute selten einem Kropfigen, aber es hat sich überliefert, daß vor langen Jahren einmal im alten Schulhaus die geflügelten Worte gesprochen worden seien:
‚Kenderle, machet de Krage auf, mr wellet oa’s senge!‘

Nachdem die Kröpfe nun eigentlich nicht mehr vorkommen, hat sich der „Froher Faschingsclub Gerlingen e.V.“ die Aufgabe gestellt, die Kropfschella am Leben und in der Erinnerung zu erhalten.
So wurde 1979 die Masken- und Brauchtumsgruppe Kropfschella gegründet.

Die Kropfschelle erscheint mit zweierlei Gesichtern. Einmal als freundlich dreinblickende, zum anderen als sehr grimmig und finster schauende Figur. Prägend ist in jedem Falle, unabhängig vom Gesichtsausdruck, der ausgeprägte Kropf. Die Larve wird von einem weißen Kopftuch umschlossen, wobei links und rechts ein geflochtener Zopf herabhängt.
Das Häs, eine dunkelblaue Jacke mit weißem Spitzenkragen, ein schwarzer Rock mit einer weißen Schürze, mit aufgenähter, gemusterter Tasche gesäumt mit demselben Stoff, stellt ein typisches Hochzeitskleid der damaligen Zeit dar. Ergänzt wird es durch lange weiße Spitzenhosen und derbes Schuhwerk.